Gundelfingen (Druckversion)

Märchentheater

Goldmarie (r.) ist faul – ob Prinz, ob Zwerg: Alle sind ratlos, alles ist verrückt.
Goldmarie (r.) ist faul – ob Prinz, ob Zwerg: Alle sind ratlos, alles ist verrückt.

Lesen hält die Welt in Ordnung

Wie kriegt man glühende Ohren? Nase ins Buch! Wie genießt man den eigenen aufgeregt pochenden Herzschlag? Mitfiebern mit den sieben Geißenkindern, die vorm bösen Wolf davonstieben und sich (gut genug?) vor ihm verstecken. Wie wird einem das Herze erst trauerschwer und nachher wieder federleicht? Weinen um das tote Schneewittchen und fröhlich jubeln beim Happy End mit Prinz und Kuss und Riesenfeier!

Dass die Welt der Märchen weltenbunt und darum bewahrenswert ist, vermittelten die „Theaterkinder“ in ihrem Musical „Das Buch der Märchen“.

Verkehrte Märchenwelt

Darin war allerdings anfangs einiges ver-rückt: kein Märchen war, wie es sein sollte, seine Welt auf den Kopf gestellt: Goldmarie faul wie die Sünde, Pechmariechen fleißig wie ein Bienchen. Die Hexe (oh Schreck!) jung und schön und liebenswürdig obendrein.

Frosch-Prinz und Prinz Berthold aus den Bergen suchten bei Frau Holle Rat. Die Verzweiflung war groß, dass niemand seine angestammte Rolle wahren konnte, sie vielmehr ins Gegenteil verkehren musste. Oh Ungemach: Aus Böse wurde Gut!

Frau Holle weiß Rat

Die Ursache kannte die weise Frau aus „Wolkenkuckucksheim“ nur zu gut: „Die Menschen lesen nicht mehr, die Kinder kennen die Märchen nicht mehr“, enträtselte sie. Da blieb nur eins: Eine märchenhafte Heldenmannschaft musste sich unerkannt unter die Erdlinge mischen und sie davon überzeugen, dass von „Die sieben Stadtmusikanten“ über „Sterntaler“ bis zu „Der kleine Muck“ zu wissen gut tut, Spannung garantiert und in der Gewissheit auf ein Happy End überaus erlösend ist. Für diese Botschaft tanzten und spielten, lachten und weinten, kalauerten und spaßten die „Theaterkinder“ auf der Bühne zum Entzücken ihrer Zuschauerschar.

Damit sicherten die Grundschüler, wie Konrektorin Dorothea Hauger verdeutlichte, mit dem symbolischen Eintrittsgeld von je einem Euro einem Patenkind „Indienhilfe“ ein Jahr lang dessen Schul- und Essensgeld, also ein Stück seiner Zukunft.

Talente-Harmonie

Die Bühnengestaltung Paul Grunickes unterstützte die Wirkung des Schauspiels eminent. Die Talente angeleitet und in ein gutes Miteinander geführt hatte per Regie Michaela Bauer-Joseph. Pauline Harder, einst selbst zu den „Theaterkindern“ gehörend und inzwischen professionell in der Welt der Kunst aktiv, hatte etliche Melodien und Texte für das Musical geschrieben, begleitete die Sängerinnen auf dem Piano und unterstützte als Regieassistentin.

Berührende Lieder hatte sie geschaffen, die nicht nur melodisch die „Botschaft“ ihrer Darstellerinnen vermittelten, sondern diesen auch schöne Gelegenheit gaben, sich und ihre Rolle auf individuell-charakteristische Weise ihrem Publikum zu präsentieren. Das tänzerisch-akrobatische Schlussbild der „Theaterkinder“ mündete folglich in begeisterte Zustimmung ihres Publikums.               Herbert Geisler

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