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Aktuell

Syrien-Schilderungen eines Caritas-Helfers

„Ein Drittel aller Häuser ist zerstört.“
„Ein Drittel aller Häuser ist zerstört.“
Foto: C. I.

Einen Vortragsabend über Syrien gab es im Kultur- und Vereinshaus, gut besucht, organisiert von Andreas Scheytt und Gabi Purrmann, den Flüchtlingsbeauftragten der Gemeinde, unterstützt vom privat bzw. über den Bürgertreff organisierten Flüchtlingshelferkreis. Informationen aus erster Hand gab es von Christoph Klitsch-Ott, der zuletzt im Juni in diesem Land war. Er ist Referatsleiter Naher Osten und Nordafrika bei Caritas International. Die Hilfsorganisation sucht dort Menschen in Not – ungeachtet ihrer Religion oder anderer sozialer Merkmale – zu helfen.

Historie und Gegenwart

Klitsch-Ott betonte, seine Schilderungen entsprächen seiner Sicht – auch er habe keinen Gesamtüberblick und suche ergänzende Berichte von anderen Seiten anhand von Fakten und Realitätseinschätzungen zu beurteilen. Berichten und (meist heimlich aufgenommene) Fotografien zeigte er von den Landstrichen, in denen er sich bewegen konnte.

Zur Veranschaulichung präsentierte er Zahlen zu Syrien und einen Abriss seiner Geschichte: Von 3,4 Millionen Einwohnern im Jahr 1950 wuchs die Bevölkerung über 8,9 Millionen (1980) auf 21 Millionen (2010) an, um (2017) auf 18,2 Millionen abzufallen. Bis heute wirke sich die 1916/17 durch das Balfour-Deklaration markierte Konfliktlinie aus. Von der britischen Kolonialmacht war seinerzeit die Idee einer Zusage der Gründung eines zionistischen Staates einerseits, dem Vorhaben, mit einem vom eigenen Land verwalteten Palästina Einfluss im Mittleren Osten wahren zu können, andererseits verbunden worden. Die Zusage, unterstützenden Kräften wie im heutigen Syrien nach dem Ersten Weltkrieg Kompensationen und Anerkennungen zu verschaffen, wurden später jedoch nicht eingehalten. Das, monierten syrische Flüchtlinge in der anschließenden Diskussion, wirke bis heute (nicht nur) in ihrem Land insofern nach, als dass das Misstrauen gegenüber britischen wie anderen europäischen Ländern tief verankert sei.

Die jüngere Geschichte (seit 1971) ist durch den Namen Assad geprägt: Hafis al Assad putschte sich 1971 an die Macht und unterdrückte strikt und grausam jegliche Opposition, wie es auch sein 2000 nachgerückter Sohn Bashar tat.

Zeugnisse

„Es ist ein Land mit mehr Gefängnissen als Schulen“, monierte ein Syrer, „es herrscht ein extrem brutales Regime.“ - „In der Tat, wie man mit dem zusammenarbeiten soll, ist mir nicht klar“, bekannte auch Klitsch-Ott. Er verwies auf das Dilemma, in dem sich westliche Staaten sähen: Aufgrund früher Aussagen, eine Nachkriegsordnung nicht mit Bashar al Assad verhandeln zu wollen, befinde man sich nun angesichts der faktischen Entwicklung in einer Sackgasse.

Abseits politischer Entwicklungen suche Caritas International Not zu lindern, wo sie am größten sei. Mit Nahrungsmitteln, Medizin, im Bedarfsfall auch mit Bargeld bemühe man sich, so mittels konkreter Hilfen auch den Lebensmut der Menschen zu stärken. Es gelinge aber allenfalls, den Status quo zu erleichtern. „Der Wiederaufbau“, sagte der Referent, „ist eine gigantische Aufgabe.“ Es werde Jahrzehnte benötigen, diesen zu bewerkstelligen, um so mehr, da Syriens Machthaber im Schulterschluss mit Russland und dem Iran offensichtlich obsiege. Angesichts dessen sehe er nicht, wann und wie seitens demokratischer Regierungen für die Erneuerung von Infrastruktur finanzielle Hilfen bereitgestellt würden.

In der sich anschließenden Diskussion und den teils persönlichen Schilderungen Geflüchteter wurde deutlich, dass, wie es am Anfang programmatisch geheißen hatte, „auch in Gundelfingen in Form der geflüchteten Menschen die Weltpolitik eingekehrt“ ist.